Ich bin jetzt 40. 22 Jahre lang habe ich die Pille genommen und ich habe lange damit gehadert, sie abzusetzen, denn ich hatte die schlimmsten Geschichten darüber gelesen und gehört: Haarausfall, Pickel, starke Blutungen und Krämpfe. Also nahm ich jeden Abend vor dem Zubettgehen fleißig meine Pille, fragte mich dabei aber immer häufiger, wie die Einnahme von synthetischen Hormonen langfristig meine Gesundheit beeinträchtigen könnte.

Heute weiß ich, dass mich das jahrzehntelange Verhüten mit der Pille wahrscheinlich mehr betroffen hat, als ich dachte. Ich hatte immer einen Blähbauch, tagelang Panikattacken und andere Symptome, die mir wahrscheinlich gar nicht bewusst waren.

Ich wollte Klarheit, also entschied ich mich, einen Arzt für Homöopathie und ganzheitliche Medizin aufzusuchen

Ich suchte nach jemandem, der mir verschiedene Wege aufzeigen konnte, auch abseits der gängigen Behandlungsmethoden.
Nach meinem ersten Termin legten wir zuerst einfache Grundregeln fest, um den Heilungsprozess für meinen ständigen Blähbauch und die Angstzustände zu beginnen. Das beinhaltete: keine Milchprodukte, kein Weizen, kein raffinierter Zucker und zu guter Letzt: die Pille absetzen. Noch in der Praxis bekam ich 5 Globuli und Symbiolact als Kur für den Darm.

Soll ich oder soll ich nicht?

Bei den Lebensmitteln, auf die ich verzichten sollte, sah ich kein Problem, aber die Pille absetzen? Monatelang hatte ich darüber nachgedacht, aber immer eine Entschuldigung gefunden. Der Luxus, die Periode verschieben zu können, die sichere Verhütung. Wollte ich das jetzt aufgeben, um in eine Spätpubertät geworfen zu werden? Und dann war da noch meine größte Angst, der drohende Haarausfall.

Es gibt nie einen „guten“ Zeitpunkt, um aufzuhören

Nach drei Monaten Hin-und-her-Überlegen entschied ich mich schließlich, künftig mit der Basaltemperatur-Methode und Kondomen zu verhüten. Und dann tat ich es: Ich brauchte meine letzte Pillenpackung auf und hoffte das Beste. Vorbeugend nahm ich ab den letzten vier Wochen der Pilleneinnahme verschiedene Biopräparate für Haare, Leber und Galle sowie B-Vitamine.

Doch nicht alles PILLE PALLE?

Nach dem Absetzen kam die übliche Abbruchblutung. Ansonsten passierte zunächst nichts weiter, aber nach etwa drei Wochen ging es los. Ich bekam Wassereinlagerungen unter den Augen, in den Händen und Füßen. An der rechten Hand wurden Finger taub, im linken Fuß stach es beim Anziehen. Nachts und beim Mittagsschlaf schliefen mir die Hände so schlimm ein, dass davon wach wurde, beim Aufstehen waren die Füße geschwollen und die Kniegelenke schwer, ich hatte Schmerzen in den Fingergelenken und den Schultern. Erst eine halbe Stunde Bewegung brachte etwas Besserung. In meinem Gesicht blühten die Pickel, meine Kopfhaut war fettig und juckte tagelang extrem.

Die Symptome dauerten fast zwei Monate an. Eine normale Periode hatte ich keine, nur ein leichtes Ziehen im Unterleib.

O Gott, da ist er: der Haarausfall!

Nach drei Monaten ohne Periode bewahrheitete sich dann meine größte Angst: Ich verlor morgens und abends haufenweise Haare, dabei hatte ich schon vorher sehr dünnes Haar gehabt. Auch die anfänglichen Symptome kamen in geballter Form zurück: Wassereinlagerungen im Gesicht, taube Finger, Schmerzen in Knien und Füßen. Das Ziehen im Unterleib war auch wieder da, die Periode blieb aber nach wie vor aus. Manchmal sah ich aus wie schwanger, der Blähbauch wollte und wollte nicht verschwinden.

Weitere Hilfe durch TCM

Nach Rücksprache mit meinem Homöopathen sollte mir eine Behandlung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin dabei helfen, den Körper in Einklang zu bringen. Beim ersten Besuch bei der TCM wurde meine Zunge fotografiert und der Puls gemessen. Laut dem Ergebnis war meine Milz schwach, wodurch ich zu viel Feuchtigkeit und deshalb Schleim im Körper hatte. Ich bekam zweimal die Woche Akupunktur, sollte vor allem warme Speisen und Getränke zu mir nehmen und jeden
Abend vor dem Zubettgehen die Füße fünf Minuten in warmem Wasser baden. Nach drei Wochen waren die Finger weniger taub, meine Haut wurde besser und ich hatte das Gefühl, dass meine Eierstöcke wieder normal zu arbeiten begannen. Der Blähbauch war komplett verschwunden, das kannte ich gar nicht mehr. Ich hatte weniger Wasser in den Beinen und auch die Pickel wurden weniger.

Noch nie hatte ich mich so sehr über meine Periode gefreut

Nach nur drei Wochen TCM waren endlich die Finger nicht mehr so Taub und die Haut wurde Nach vier Wochen TCM hatte ich wieder meine Periode. Ich konnte es kaum glauben – endlich konnte ich mit dem Basalthermometer beginnen. Am dritten Tag der Periode, die normal verlief, war auch mein Aggressionspotenzial fast verschwunden (davor war ich durchgängig auf hundertachtzig), nach weiteren vier Wochen wurden die Symptome immer weniger. Dann wurde meine Haut wieder schlechter und ich bekam viele Pickel, das Wasser unter den Augen, in den Händen und Füßen kehrte zurück und mir war schwindelig. Das waren wohl die Vorboten der nächsten Periode, denn ja, vier Tage später war sie wieder da – man glaubt es kaum, wie sehr man sich darüber freuen kann! Nach der Blutung war der Haarausfall fast verschwunden, nur die Wassereinlagerungen blieben hartnäckig.

Nach einem halben Jahr ließ ich ein Blutbild machen. Nieren, Leber und die Schilddrüse waren in Ordnung, auch der Eisenwert stimmte. Mein Zyklus war im Durchschnitt 36 Tage lang. So durfte es bleiben.

Das Fazit meiner Reise

Was soll ich sagen: Auch nach einem Dreivierteljahr ist meine Reise noch nicht zu Ende, aber ich habe viele Erfolge erlebt. Was man 22 Jahre mit seinem Körper angestellt hat, verschwindet eben nicht unbedingt in ein paar Monaten. Ich werde weiter berichten und hoffe, dass meine Periode jetzt stabil bleibt und das lästige Wasser verschwindet.

Für mich ist ganz klar: Ich würde es wieder so machen. Mir geht es ohne die Pille so viel besser. Ich habe keine Panikattacken mehr, der Blähbauch ist mittlerweile ein Fremdwort, ich schmecke viel besser und die Haare wachsen nach, auch wenn mir die kurzen Haare etwas zu Berge stehen. Sie wachsen wieder und das ist das Wichtigste. Alles in allem bin ich mit meiner Entscheidung sehr zufrieden. Ich fühle mich so viel besser auf meinen Körper eingestellt und ich habe endlich das Gefühl, von innen heraus zu heilen. Es ist toll, die Kontrolle über meinen Körper zurückzugewinnen.

Dein Körper, deine Entscheidung

Damit will ich nicht sagen, dass man auf keinen Fall jemals die Pille nehmen sollte. Ich war sehr lange glücklich damit, aber für mich kommt das eben nicht mehr infrage. Es gibt so viele andere Möglichkeiten zu verhüten und ich hatte das Glück, dass ich die Pille nur deswegen genommen habe. Als junge Frau hatte ich nie Probleme mit Pickeln, starken Blutungen oder ausbleibender Periode.

Egal ob du die Pille nehmen möchtest oder nicht: Es ist dein Körper. Es ist deine Wahl. Ich respektiere das Recht jeder Frau, das zu tun, was sich für sie selbst gut anfühlt. Du machst vielleicht völlig andere Erfahrungen als ich. Triff für dich die beste Entscheidung.

Wenn du darüber nachdenkst, die Pille abzusetzen, solltest du wissen: Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht und jeder reagiert anders darauf. Ich wusste, je länger ich damit warten würde, desto mehr Probleme könnte ich bekommen.

Mit Misstery möchten wir dir Mut machen, dass man es auch ohne die Pille schaffen kann. Berichte auch du gerne über deine Erfahrungen!