9 Jahre lang nahm ich die Pille bis ich mich zu Beginn meines 24. Lebensjahres dazu entschloss sie abzusetzen. Hier liest du meine Beweggründe:

Als das Thema Verhütung bei mir von Bedeutung wurde, galt die sogenannte Anti-Baby-Pille ausnahmslos als eines der sichersten Verhütungsmittel auf dem Markt. Ihr Vorteil in eigentlich jeder Hinsicht: Super einfach und unkompliziert!
An meinen ersten Frauenarzt Termin erinnere ich mich noch sehr gut. Es war aufregend und irgendwie auch ganz besonders, es war als hätte ich ein Stück „Erwachsensein“ mit nach Hause genommen. Nun nahm ich also die Pille wie viele meiner Freundinnen auch und es war cool und ich hatte mich schnell an das tägliche Einnehmen gewöhnt. Hinterfragt wurde zu keinem Zeitpunkt wie das Präparat wirkt, was es für Nebenwirkungen hat, oder welche Alternativen es überhaupt gab. Im Gegenteil: Bei meinem Gespräch ging es vor Allem um den positiven Wirkeffekt des hormonellen Präparats auf meine Haut, mit der ich zu der Zeit – wie viele andere Pubertierende in meinem Alter – zu kämpfen hatte.

Früher hat niemand die Pille in Frage gestellt

Damals hat sich niemand wirklich richtig damit aus einander gesetzt und jungen Mädchen und auch den Eltern wurde im Grunde gar kein Anlass gegeben die Pille in Frage zu stellen. Auch wenn es die Nebenwirkungen natürlich damals schon gab, wurden diese einfach nicht diskutiert. 
Natürlich gab es die berühmte Unterrichtsstunde, in der ein Kondom über eine Banane gezogen wurde bezüglich möglicher Geschlechtskrankheiten. Aber darüber hinaus wurden weder in der Schule, noch in der Familie alternative Methoden besprochen.

Ich möchte die Pille nicht schlecht machen, darum soll es nicht gehen. Wenn man sich mal überlegt, dass die Pille gerade einmal vor 50 Jahren in Deutschland einen wahnsinnigen Fortschritt für die unabhängige Frau mit sich brachte und natürlich ihre Vorteile und somit auch ihre Daseinsberechtigung hat. Trotzdem kann sie wie bei anderen Medikamenten auch Nebenwirkungen mit sich bringen, die sich von Frau zu Frau unterschiedlich oder auch gar nicht auf den Körper auswirken.

Die Pillen der 3. und 4. Generation

Das eigentliche Problem liegt bei den Pillen der neuen Generation. Diese enthalten die Gestagene Gestoden, Desogestrel, Dienogest, Drospirenon, Chlormadinon oder Nomegestrol. Oft werden sie wegen ihrer „positiven Nebenwirkungen“ wie schönere Haut, glänzende Haare oder sogar größerer Brüste und Gewichtsverlust verschrieben. Leider ist hierbei das Thromboserisiko gegenüber Frauen, die ohne Hormone verhüten, bis zu siebenmal höher. Das bedeutet: Pro Jahr bildet sich bei 11 bis 14 von 10.000 Pillenanwenderinnen ein gefährliches Blutgerinnsel, welches im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Warum ich die Pille abgesetzt habe

Auch wenn es sich seit einigen Jahren um einen gesellschaftlichen „Trend“ handelt, finde ich es ausgesprochen gut, dass sich junge und auch ältere Frauen überhaupt damit auseinandersetzen und informieren. Nicht so wie das bei mir der Fall war. Vielleicht würde ich mich als junges Mädchen wieder für eine Pille entscheiden aber keine der neuen Generation nehmen und das Thema nicht für die nächsten 10 Jahre ignorieren, sondern stets hinterfragen. Gewiss gibt es nicht den einen richtigen Weg. Den muss jeder für sich selbst herausfinden. Aus einem Trend heraus, würde ich niemandem empfehlen die Pille einfach abzusetzen ohne sich ausreichend mit dem Thema Verhütung auseinander gesetzt zu haben.

Den Startschuss für mein Umdenken hat mir eine Freundin gegeben. Ich sprach mit Ihr über Verhütung und ganz selbstverständlich über die Pille. Dabei erntete ich verständnislose Blicke und bekam die entsetzte Frage:

„Warum nimmst du noch die Pille?“

Ich hatte eigentlich keine größeren Probleme, stellte mir jedoch schon ein paar Jahre die Frage wie meine Stimmung ohne fremdsteuernde Hormone sein würde. Wäre ich besser gelaunt oder weniger emotional? Generell interessierte ich mich mehr für meinem Körper, wollte ihn besser kennen und verstehen lernen. Neben interessanten und wirklich sehr bereichernden Diskussionen mit Freunden oder Bekannten, las ich aus unterschiedlichen Quellen sehr viel zum Thema Verhütung und Körperempfinden. Damit bildete ich mir mit der Zeit meine ganz eigene Meinung.

Pille absetzen – und was dann?

Bis zum Absetzen hat es trotzdem noch lange gedauert. Ich fand für mich noch nicht die passende Alternative und hatte Respekt vor.. ja vor was eigentlich? Ich hatte immer blind auf ein Medikament vertraut und musste mir keine Gedanken machen. Es war also der Respekt vor der Verantwortung die ich mir gegenüber hatte. Denn noch immer war die Pille für mich am zuverlässigsten und ich konnte mir nicht vorstellen schwanger zu werden.
Zusammen mit meinem Freund fiel dann aber die Entscheidung und wir waren uns der Verantwortung bewusst. Außerdem stellte ich ganz schnell fest, dass bei richtiger Anwendung einige Methoden genauso sicher sein würden.

Einige Gründe die nicht nur mich sondern auch Freunde von mir dazu bewegten eine Alternative zu wählen, waren die möglichen und allseits bekannten Nebenwirkungen, wie zum Beispiel erhöhte Thrombosegefahr. Auf der anderen Seite ging es mir aber vor allem darum, die wahren Gefühle zu spüren. So spielten bei mir auch die psychischen Aspekte eine große Rolle, sowie der Wunsch den weiblichen Zyklus besser kennenzulernen. Ich setze mich viel mit der Wirkungsweise auseinander. Umso erschreckender und wirklich ernüchternd empfand ich dann das Gespräch mit meiner damaligen Frauenärztin, die mir davon abriet die Pille abzusetzen und alles nur als unnötigen „Medienhype“ empfand (welchen ich bis dahin noch gar nicht wahrgenommen hatte, denn ich kannte ja wirklich echte Geschichten meiner Freunde und mein Bauchgefühl!). Mein Körper wollte die Pille einfach nicht mehr.

Gegen die Aussage meiner damaligen Frauenärtzin und meiner Angst vor meinen möglichen Hautproblemen entschied ich mich dann vor ca. 2 Jahren nach der letzten Blisterpackung keine weitere mehr zu nehmen. Nach der Abbruchblutung dauerte es einige Wochen bis ich wieder meine Tage bekam aber entgegen meiner Erwartungen blieb sie nicht Monate aus, sondern kam nur verspätet. Der Zyklus ist leider noch heute nicht wieder in einem regelmäßigen Rhythmus. Schaut man sich meine Zyklus App an, sieht man, dass die Zyklustage zwischen 27 Tagen und 46 Tagen schwanken. Jeder Monat ist noch immer leicht unterschiedlich aber nach einem Jahr hatte sich alles etwas beruhigt. Meine Schwankungen sind aktuell bei weitem nicht mehr so groß und ich bin glücklich, dass ich es geschafft habe!

Welche Folgen das Absetzen bei mir hatte und wie ich meinen Zyklus wieder unter Kontrolle bekam, erfährst du in diesem Beitrag.

Hattest du ähnliche Bedenken? Welche positiven oder negativen Erfahrungen hast du mit der Pille gemacht?